Wie kommt es zu Speichelmangel und Mundtrockenheit?

Jeder kennt den Effekt, dass "einem das Wasser im Mund zusammenläuft". Man riecht, sieht oder schmeckt etwas Köstliches und sofort wird die Speichelproduktion angeregt. Ebenso steigt beim Kauen der Speichelfluss an.
Der eine oder andere hat aber sicherlich auch schon das Gegenteil erlebt, nämlich dass einem vor Aufregung oder Angst die "Spucke wegbleibt". Die Zunge klebt am Gaumen fest und Sprechen und Schlucken werden deutlich erschwert.

Ursachen der Speichelarmut

Verschiedene Ursachen können zu diesen Symptomen und damit zu einer Störung der Speichelproduktion und zu Speichelarmut (Xerostomie) führen.

Zahlreiche Medikamente, darunter Mittel gegen Depressionen, Bluthochdruck, Asthma oder Parkinson, haben als Nebenwirkung eine Reduktion der Speichelproduktion zur Folge. Da bei mehr als 30 % der über 65-jährigen bereits altersbedingt der Speichelfluss vermindert ist, wird dies durch die Einnahme entsprechender Medikamente noch zusätzlich verstärkt.

Akute oder chronische Entzündungen der Speicheldrüsen (Sialadenitis) führen zu einem Absenken der Speichelfreisetzung. Sie können unter anderem durch Bakterien oder Viren (z. B. bei Mumps) hervorgerufen werden. Auch Speichelsteine, die zudem die Ausführungsgänge der Speicheldrüsen verstopfen können, führen zu Entzündungen und verringern den Speichelfluss. Tumore der Speicheldrüsen, sowohl gut- als auch bösartige, können einen Mangel an Speichel bewirken. Daneben beeinflussen systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Schilddrüsen- oder Nierenleiden den Speichelgehalt im Mund. Auch das Sjögren-Syndrom (eine Autoimmunerkrankung) kann zu Mundtrockenheit führen. Bestrahlungen am Kopf bei Krebserkrankungen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich schädigen die Speicheldrüsen dauerhaft.

Folgen von Mundtrockenheit

Aufgrund der Vielzahl möglicher Ursachen wird davon ausgegangen, dass eine Mundtrockenheit bei fast 50 % der Bevölkerung vorliegt.

Durch Entzündungen der Speicheldrüsen, verschiedene Erkrankungen, Medikamente, Bestrahlungen oder altersbedingt kann sich der Speichelfluss verringern und zu einem trockenen Mund (Xerostomie) führen. Da ältere Menschen meistens auch verschiedene Medikamente einnehmen, kann sich der Effekt der Mundtrockenheit dadurch deutlich verstärken. Die Folgen der Xerostomie sind vielfältig und können mit einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität einhergehen.
Verringert sich die Befeuchtung der Mundschleimhaut, werden das Sprechen, Kauen und Schlucken erschwert. Durch den Mangel an Speichel kann die Nahrung schlecht zerkleinert werden und die Gleitfähigkeit der Bissen ist vermindert. Schmerzen beim Kauen und Schlucken sind die Folge. Zudem kann harte Nahrung zu Verletzungen im Mundraum führen. Unterbleibt die Vorverdauung durch Speichelenzyme im Mund, kann es zu Verdauungsproblemen kommen. Auch Geschmacksbeeinträchtigungen treten bei Mundtrockenheit verstärkt auf. 
Entfällt durch den reduzierten Speichelfluss die Spülwirkung des Speichels, können schädliche Keime nicht vollständig abtransportiert werden. Zudem wird die antibakterielle sowie antivirale Schutzwirkung abgeschwächt. Entzündungen der Mundschleimhäute wie z. B. des Zahnfleisches, Zungenbrennen oder Mundgeruch können die Folgen sein.

Negative Auswirkungen auf die Zahngesundheit

Auch auf die Zahngesundheit hat die Mundtrockenheit negative Auswirkungen. Einerseits ist die Selbstreinigung durch die fehlende Spülwirkung vermindert, andererseits entfällt der Speichel als Mineralien-Lieferant und die Zähne sind Säure-Attacken schutzlos ausgeliefert. Sowohl die Stoffwechselprodukte verschiedener Bakterien als auch die Säuren aus Nahrungsmitteln und Getränken lösen Mineralien aus dem Zahn. Bei normalem Speichelfluss kann der Speichel diese Säuren jedoch abpuffern und liefert den Zähnen gleichzeitig Mineralsalze zur Remineralisation. Ist die Speichelbildung vermindert, können zum einen die Säuren nicht neutralisiert werden und zum anderen die Zähne nicht mit den erforderlichen Mineralien versorgt werden. Das Kariesrisiko steigt deswegen unter Speichelarmut deutlich an. 

Symptome von Mundtrockenheit

Wenn Sie die unten stehenden Punkte bejahen können, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie unter Mundtrockenheit leiden (Villa et al. 2015, van der Putten et al. 2011).

  • Mein Mund bzw. Rachenraum fühlt sich trocken an.
  • Meine Lippen fühlen sich trocken an und/oder sind häufig eingerissen.
  • Ich habe das Gefühl, dass ich zu wenig Speichel habe.
  • Ich habe das Bedürfnis, ständig trinken zu müssen.
  • Wenn ich in der Nacht aufwache, trinke ich etwas.
  • Ich habe Schwierigkeiten, trockene Nahrungsmittel zu essen.
  • Ich kann nichts essen, ohne gleichzeitig zu trinken.
  • Ich verwende häufig Lutschbonbons oder Kaugummis.
  • Ich habe Schwierigkeiten beim Schlucken.
  • Ich atme häufig durch den Mund.
  • Ich trinke zu wenig (d. h. weniger als 1 Liter pro Tag).
  • Ich habe häufig Stress.
  • Ich nehme regelmäßig Medikamente zu mir.

Literatur:
- Villa, A., Connell, C. L. & Abati, S. Diagnosis and management of xerostomia and hyposalivation. Ther. Clin. Risk Manag. 11, 45-51 (2015).
- Putten, G. J. v. d., Brand, H. S., Schols, J. M. & Baat, C. d. The diagnostic suitability of a xerostomia questionnaire and the association between xerostomia, hyposalivation and medication use in a group of nursing home residents. Clin. Oral Investig. 15, 185-192 (2011).