Fachgesellschaften beschließen Verdoppelung der Fluoridkonzentration für Kinderzahnpasten

Der Einsatz von Fluorid und dessen Grenzwerte in Kinderzahnpasten, ist in der Zahnpflege ein vielfach diskutiertes Thema. Kürzlich haben sich zahnmedizinische Fachexperten beraten und neue Dosierungsempfehlungen für Kinderzahnpasten entworfen.

Die Dosierung von Fluorid in Zahnpasten ist gesetzlich reglementiert. Sobald mehr als 1000 ppm Fluorid enthalten sind, muss ein Warnhinweis (z. B. „Nicht für Kinder geeignet“) auf der Verpackung enthalten sein.

So galt bis zum Jahr 2018 folgende Regelung:

Alter

Fluorid-Konzentration

Häufigkeit

Menge

Kinder im Alter von 0-2 Jahren

500 ppm

1 x täglich

reiskorngroß

Kinder im Alter von 2-6 Jahren

500 ppm

2 x täglich

erbsengroß

Quelle: https://www.zm-online.de/archiv/2019/17/zahnmedizin/zwischen-kariespraevention-und-dentalfluorose/seite/alle/

Spätestens seit 2013 ist jedoch bekannt, dass Fluorid in geringen Konzentrationen keinen ausreichenden Schutz vor Karies bietet. Vor diesem Hintergrund empfehlen zahnmedizinische Fachgesellschaften nun die doppelte Fluoridkonzentration für Kinder zu verwenden.

Seit Ende 2018 lautet die Empfehlung wie folgt:

Alter

Fluorid-Konzentration

Häufigkeit

Menge

 

Kinder im Alter von 0-2 Jahren

500 ppm

2 x täglich

erbsengroß

alternativ

1.000 ppm

2 x täglich

reiskorngroß

Kinder im Alter von 2-6 Jahren

1.000 ppm

2 x täglich

erbsengroß

Quelle: https://www.zm-online.de/archiv/2019/17/zahnmedizin/zwischen-kariespraevention-und-dentalfluorose/seite/alle/

Mit der neuen Empfehlung ist der Fluoridgehalt für Kinder ab dem 2. Lebensjahr verdoppelt worden. Fraglich ist, ob Kinder oder Eltern die Dosierungsempfehlung (Reiskorn/Erbse) in der Praxis umsetzen können.

Einige Stimmen aus der Fachwelt sehen die neu definierten Fluoridgrenzwerte kritisch. So erläuterte der Vorsitzende des Arbeitskreises Jugendzahnpflege für Frankfurt am Main und den Taunus-Kreis in einem Leserbrief (Ausgabe ZM Nr. 19, 1.10.2019) an seine Zahnarzt-Kollegen seine Bedenken. Er kritisiert die Erhöhung des Fluoridgehalts nach dem Motto „Viel hilft nicht viel“ und dem dadurch erhöhten Risiko einer Fluorose (weiße Flecken auf den bleibenden Zähnen) im bleibenden Gebiss durch Überdosierung im Vorschulalter.

Um Karies vorzubeugen und kein Fluoroserisiko einzugehen, wird in einigen Zahnpasten (z. B. Kinder Karex) bereits jetzt anstelle von Fluorid der biomimetische Wirkstoff BioHAP verwendet. Dieser ist in zahlreichen wissenschaftlichen Studien auf seine Wirksamkeit geprüft und gilt als unbedenklich für Kinder – auch bei Verschlucken.